Virtuelle Tour durch die Burgruine Waldstein in der Steiermark. Vollumfassend, geeignet für PC, Tablet und VR-Brille. Weniger geeignet wegen dem kleinen Bildschirm aber doch möglich auf Smartphones.
Die Vermessungskarte in der Tour wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen: Murgg, Werner: Burgruinen der Steiermark. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Bodendenkmale, in Zusammenarbeit mit dem Verlag Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Wien/Horn, 2021
Hilfe zur Tour
Der virtuelle Rundgang ist am besten in Vollbild (Doppelklick ins Bild oder Klick auf Button rechts unten), auf einem großen PC-Monitor mit Kopfhörern oder Lautsprechern erlebbar. Rechts oben kann ein Orientierungsplan und eine Karte aktiviert werden, rechts am Rand de Ton auf stumm gesetzt, ein Kompass aus oder eingeblendet und auf Englisch umgestellt werden. Das Infosymbol blendet Beschreibungen zum gerade Gesehenen ein. Aktiviert man den Homebutton am oberen Bildrand, kommt man zum Luftbild/Überblick und wieder retour, senkrechte Pfeile geben Hinweis darauf, ob die Betrachteransicht erhöht oder erniedrigt werden kann. Mit einer VR-Brille wie der Quest 3 kann man die Tour ebenso erleben. Ohne Zusatzsoftware – einfach die URL dieser Seite im Browser der Brille eingeben, den dort dann sichtbaren VR-Button aktivieren – fertig.
Nordansicht der Ruine Waldstein (Kernburg) im Jahr 2025. Fast schon spektakulär der steile senkrechte Burgfelsen auf dieser Seite. Im Hintergrund der Wohnturm der vorgelagerten Ruine Hungerturm. Die große Öffnung mit Rundbogen (Bildmitte rechts) führt in jenen Raum, der in der Tour als “Sakristei” der Burgkapelle bezeichnet wird. Nach links anschließend die Außenmauer der Kapelle.
Kurzbeschreibung der Ruine Waldstein
Ruine Waldstein – die größere der beiden Anlagen die ehemals organisatorisch sicher zusammengehörten – kann als die wichtigere und zentrale Befestigungsanlage betrachtet werden, Ruine Hungerturm als eine Art Vorwerk.
Erste urkundliche Erwähnung als Castum Waldstein im Jahre 1152. Damals noch eine kleine Anlage. Es folgten wahrscheinlich im 14ten Jahrhundert der heutige Bergfried, die Burgkapelle, Palas und Ringmauer. Die ausgedehnten Anlagen (Vorburg) im Osten, Westen und Süden waren die letzten Ausbauten im 15ten und 16ten Jahrhundert. Nicht lange darauf wurde sie verlassen. Die Anlage verfällt und ist auch auf dem Kupferstich von Vischer um 1680 nur noch als Ruine ohne Dächer im Hintergrund abgebildet. Grund dafür ist wie so oft der Bau eines im Tal gelegenen Neubaues (Schloss Waldstein).
Die trockene, sonnige Lage und die grün bewachsenen Mauern erzeugen heute eine märchenhafte, verwunschene Wirkung. Allerdings ist das Areal für Besucher aufgrund der Baufälligkeit gesperrt. Die Anlage erscheint auf den ersten Blick eher klein. Sie wurde aber – wie erwähnt – mit einer ausgedehnten Vorburg nach West, Ost und Süd versehen. Diese Abschnitte umfassten Wirtschaftsgebäude und weitere Verteidigungsanlagen (Ringmauern und Rondelle) und wahrscheinlich auch Gärten. Interessant der Turm (Bergfried): haben diese meist älteren Teile einer Burganlage durchwegs rechteckigen oder quadratischen Grundriss, so ist dieser hier dreieckig ausgestaltet. Grundsätzlich eher selten, in der Steiermark aber nicht der Einzige: Ruine Salla-Klingenstein, Ruine Pflindsberg. Als Wohnturm wurde er nie genutzt, dafür ist die Grundfläche zu klein. Stellt man sich in den Bergfried (heute über ein kleines herausgebrochenes Loch am Fuß möglich), fühlt man sich eher wie in einem Brunnenschacht als in einem geräumigen Turm.
Decken oder Zwischendecken sind heute größtenteils nicht mehr erhalten, ausgenommen ein Raum mit Tonnengewölbe (möglicherweise die Sakristei der Kapelle), der direkt an die Kapelle anschließt und die Decke über der kleinen Apsis der Kapelle. Im kleinen innersten Burghof erkennt man das kreisrunde Loch einer Zisterne – fließendes Wasser oder Brunnenwasser gab es wohl nicht.
Sehenswert (in der Tour): dreieckiger Bergfried, Zugbrücke, Zisterne, ausgedehnte Vorburganlagen, Palas mit eindeutigen Spuren der damaligen Holzauskleidung, senkrechter Burgfelsen im Norden und die großen Abmessungen der Gesamtanlage.
Otto Piper 1907
Der Burgenhistoriker Piper hat die Burgenruine im fünften Band seines Werkes “Österreichische Burgen” 1907 beschrieben.
Schloss und Ruine Waldstein im Hintergrund auf einer Lithographie um 1865. Die Ruine links am vorderen Hügel ist Ruine Hungerturm. Schloss Waldstein und Ruine Waldstein nach Georg Matthäus Vischer um 1680. Im Vordergrund das “neue” Schloss Waldstein, im Hintergrund bereits verfallen die “alte” Burg Waldstein. Vischer war nicht gerade bekannt für geografisch stimmige Darstellungen. So fehlt in diesem Stich der gesamte vorgelagerte Bergrücken mit der zur Ruine Waldstein gehörigen Anlage “Ruine Hungerturm”. Ob die abgebildete Geometrie der Burg Alt-Waldstein, wie sie auch genannt wird, passt, ist ebenfalls fraglich. Der Bergfried ist nicht rechteckig sondern hat dreieckigen Grundriss.
Josephinische Landesaufnahme 1785
In der Josephinischen Karte wurde die Burg als “altes Schlos Waldstein” aufgenommen.
Wie auch bei anderen Rundgängen – wer geschichtlich interessiert ist, findet auch zu dieser Burgenanlage Informationen im Netz dazu (siehe Links am Seitenende). Der in seiner Architektur sehr seltene Bergfried (siebeneckig) aus dem 13ten Jahrhundert fehlt heute komplett. Er ragt auf älteren Fotos und natürlich zeitgenössischen Kupfer- und Stahlstichen sehr auffällig emport. Leider wurde jener wohl aus Sicherheitsüberlegungen heraus in der zweiten Hälfte des 20ten (!) Jahrhunderts gesprengt. So lange liegt das nicht zurück. Sehenswert auch in der Tour sind die beiden gotischen Eingangstore und der groß angelegte dreistöckige Palas. Zwischendecken desselbigen sind heute nicht mehr erhalten. Im Palas im ersten Stock kann man sehr gut die Stelle eines Ofens mit anschließendem in der Mauer angelegten Kamin erkennen.
Die Burg hatte am Ende der Ausbauphase eine ausgedehnte Vorburg inklusive einer Barbakane.
Burg Pfannberg wurde knapp nach 1200 erbaut und in weiteren zwei Bauphasen bis in das 16te Jahrundert weiter ausgebaut. Um 1600 (17tes Jahrhundert) wird sie aber bereits als baufällig beschrieben – Georg Matthäus Vischer skizzierte sie um 1680 aber immerhin noch mit Dächern. Sie verfällt seit dieser Zeit.
Zeitweise bewohnte der Minnedichter Hugo von Montfort die Burg. Gestorben 1423 war er ein paar Jahre Landeshauptmann der Steiermark. Ein Fresko das seine Familie abbildete fand sich ehemals in der Burgkapelle, heute ist es nach der Abnahme im Joanneum Graz verwahrt. War es also doch nicht so unwertvoll, wie es Otto Piper 1904 noch gehalten hat. Die Kapelle kann man vor Ort gerade noch, wenn man weiß wo man suchen soll, ausmachen. Erhalten hat sich als typisches Erkennungsmerkmal ein kleiner Teil der halbrunden Apsis.
Die Burgruine Pfannberg liegt in recht günstiger sonniger Lage und in direkter Sichtverbindung zur Stadt Frohnleiten und der heute noch voll intakten Burg Rabenstein.
Otto Piper 1904
Der Burgenhistoriker Piper hat die Burgenruine in den dritten Band seines Werkes “Österreichische Burgen” 1904 aufgenommen.
Burgruine Pfannberg 2024. Das Gebäude oben Mitte ist der Palas der Burg, das hohe Gebäude links der Torturm. Der Bergfried befand sich in der linken unteren Bildecke. Siebeneckiger Bergfried der Ruine auf einer Postkarte um 1911. Es ist sehr bedauernswert, dass dieser ein paar Jahrzehnte danach gesprengt wurde. Die am oberen Ende sich befindlichen Schlüsselscharten sind laut Ottp Piper nicht originale Bausubstanz sondern viel später hinzugefügt worden. Die Ruine wurde wohl vor 1900 renoviert. Das erkennt man heute auch daran, dass zum Beispiel der obige Abschluss der Ringmauer mit Beton verstärkt wurde (in der Tour ebenfalls sichtbar).Pfannberg um 1880Holzdruck von Adolf Cloß (1840-1894) nach der Zeichnung von Richard Püttner (1842-1913)Burg Pfannberg nach Georg Matthäus Vischer 1680, Topographia Ducatus Stiriae. Falsch dargestellt ist jedenfalls die Abrundung der Ringmauer beim Bergfried die es nicht gibt. Und natürlich die Berge wie üblich. Senkrechte Felswände (links neben der Burg) existieren es dort nicht, und wenn wirklich mal senkrechte Felswände wie beim Röthelstein im Hintergrund vorkommen, sind sie nicht wie dargestellt dermaßen überhängig. In der Abbildung fehlt auch die Vorburg, die hier zu sehen sein müssten. Dafür sind die vielen Fenster im (nicht mehr vorhandenen) Bergfried reine Phantasie.Rekonstruktion der Burg Pfannberg. Inwieweit diese wirklich im Detail stimmig ist, ist mir unklar. Denn vor allem rechts vom siebeneckigen Bergfried sind die Gebäude direkt an die Hauptanlage angebaut. Im Gelände kann ich zumindest davon – von einem zusammenhängenden Komplex – nichts erkennen. In der Literatur (z.B. Otto Piper 1904) wird von einem abgesetzten Gebäude (Barbakane) geschrieben.
Geografische Lage
Josephinische Landesaufnahme 1785
Die Burg ist hier als “Schlos Bamberg” verzeichnet worden. Der damalige dazugehörige Maierhof (“m:hof”) steht heute noch in voller Pracht (Gut Pichelhof).