Zugegeben – zeitlich und thematisch passt die spätrömische Epoche wenig zu Burgen. Geschichtlich in der Steiermark aber äußerst interessant. Und als Ruinen könnte man die Reste ebenso einordnen. Zwei oder je nach Autor drei Steinbrücken aus römischer Zeit haben sich in der Steiermark erhalten (alle drei als virtuelle Tour verfügbar):
Das Bemerkenswerte daran ist: sie gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach zu ein und derselben römischen Straße – der Hauptverkehrsverbindung von Falvia Solva (bei Wagna in der Südsteiermark), vorbei am Kugelstein mit seiner römischen Höhensiedlung und im Tal erhaltenen Römerbrücke bei Adriach, weiter über die Poststation bei Bruck an der Mur (Poedicum), über die Römerbrücke bei Dionysen und weiter das Murtal nach Westen.
Zumindest eine Trasse der Römerstraße zweigte spätestens bei Pöls ob Judenburg in das Pölstal ab in Richtung Liezen (Stiriate). Dabei überquerte sie den Blahbach bei Unterzeiring über die dritte der erhaltenen Römerbrücken der Steiermark. Allerdings muss gesagt werden, dass vollständige Gewissheit über deren römische Herkunft nicht existiert. Im Fall der Brücke bei Dionysen wird das zweite Jahrhundert nach Christus als Alter angenommen.
Virtuelle 360°-Panorama-Tour zur mittelalterlichen bis neuzeitlichen Richtstätte “Hochgericht im Birkachwald” bei Unterzeiring im Pölstal in der Steiermark.
Die Aufnahmen entstanden im April 2025. Die kurze Tour ist VR-Brillen-fähig (z.B. Quest 3): URL dieser Seite im Browser der VR-Brille eingeben und das Symbol mit der Brille aktivieren. Für die an etwas dazugehörigem Wissen interessierten: gleich zu Beginn der Tour das Infosymbol in der rechten oberen Ecke aktivieren. Für einen optischen Überblick dient das Haussysmbol am oberen Bildrand.
Kurzbeschreibung der Richtstätte Birkachwald
Eine gute Zusammenfassung der Geschichte ist unter anderem auf academia.edu zu lesen.
Das Hochgericht im Birkachwald (obwohl der Galgen heute nicht mehr im Wald sondern mitten in einer Kuhweide steht) wurde 1574 aus heutiger Sicht erstmalig urkundlich erwähnt. Damals war es allerdings ein Holzgerüst, das 1740 durch einen Sturm zerstört wurde.
Die Landesgerichtsherrschaft zu Reifenstein (die Burgruine Reifenstein befindet sich bei Pöls) ließ einen neuen, den heutigen, Galgen errichten. Die Todesstrafe wurde aber bereits knapp 50 Jahre später abgeschafft. Vielleicht erklärt sich damit die Geschichte in der lokalen Bevölkerung, dass am Galgen niemals jemand hingerichtet wurde. Was so nicht stimmt. Denn zumindest sieben flach vergrabene Delinquenten wurden direkt beim Galgen bei archäologischen Grabungen um 2013 gefunden. Nähere Details dazu, auch deren Lage und ein paar kurriose geschichtliche Details sind in der Tour über das Informations-Symbol einblendbar.
Erwähnenswertes in der Umgebung
Generell ist die Region sehr geschichtsträchtig. In unmittelbarer Nähe zur Richtstätte befindet sich das Renaissanceschloss Hahnfelden – ein Kleinod das bis vor einigen Jahren noch fast dem Verfall überlassen wurde. Eine Römerstraße von Graz kommend führte in unmittelbarer Nähe vorbei (auch wenn hier der Trassenverlauf nicht gesichert ist). Eventuell ist eine kleine römische Brücke bei Unterzeiring (in der Tour enthalten) die über den Blahbach führt erhalten. “Eventuell” deshalb, da deren römische Bausubstanz nicht klar nachweisbar ist.
Neben wahrscheinlich römischen Fundamenten von Bauten in der Nähe die in den Wiesen der Umgebung auf Luftbildern erkennbar waren, sind die mittelalerlichen Silberstollen von Oberzeiring (ca. 3 Straßenkilometer entfernt) erwähenswert. Heute sind die Stollen zum Teil als Schaubergwerk bei Oberzeiring zu besuchen. Die Macht der Habsburger gründet sich auf deren damals reichen Silbervorkommen. Nicht nur in Sagen liest man über das große Grubenunglück 1361 bei der ein großer Teil des Bergwerkes unter Wasser gesetzt wurde und bis heute, trotz Bemühungen, seither kein Abbau mehr stattgefunden hat. Die Sage spricht von 1400 Knappen die dabei ertrunken sind, anzunehmen sind mehrere hundert. Kleine kurze Prospektionsstollen aus der Zeit vor dem Sprengvortrieb mit Schwarzpulver und Dynamit findet man sogar in der Nähe der Richtstätte bei Unterzeiring. Das Unglück wird auch in einem Wandfresko das recht gut erhalten ist im Schloss Hahnfelden genannt. Es stammt um 1630 und erinnert an den Besuch Kaiser Maximilian I im Schloss 1506. In für heute sehr holprigen und schwer lesbarem Deutsch.
Beides – der alte Stollen und die steinerne Brücke sind in der Tour enthalten.
Geografische Lage
Der Ort ist heute mehr oder weniger frei zugänglich. Ein kleiner Parkplatz befindet sich direkt bei der dazugehörigen Kapelle an der Triebener Bundesstraße.
Zwei kleine Lokalitäten in einer Tour aus der Römerzeit
Zugegeben – zeitlich und thematisch passt die spätrömische Epoche wenig zu Burgen. Geschichtlich in der Steiermark aber äußerst interessant. Und als Ruinen könnte man die Reste ebenso einordnen. Die Römerbrücke bei Peggau bzw. dem Kugelstein ist eine von zwei erhaltenen steirischen Brücken aus römischer Zeit (wenn auch nicht 100% abgesichert). Sie liegt aber direkt auf der ehemaligen und gesicherten Trasse der römischen Straße von Flavia Solva über Bruck an der Mur und weiter nach Westen. Eine am Kugelstein gelegene römische wehrhafte Siedlung inklusive einem kleinen Tempel ist ebenso nachgeweisen. Dazupassend findet man ein spätrömisches Hügelgrab bei Semriach, ein Münzschatzfund aus der Römerzeit wurde in der Nähe der Brücke geborgen und zwei römische Meilensteine direkt an der Trasse der römischen Staatsstraße in unmittelbarer Nähe zur Brücke gefunden. Grund genug, die heute ziemlich aus dem Kontext gerissene Steinbrücke, etwas verloren in einer Kuhweide situiert, als eben römisches Bauwerk anzusprechen.
Überflug über die frei auf einer Wiese stehende Römerbrücke. Früher führte hier natürlich eine römische Straße darüber – ein Hauptverkehrsweg von Flavia Solva bei Leibnitz nach Norden.