Zum Inhalt
Startseite » Ulrich von Liechtenstein

Ulrich von Liechtenstein

Virtuelle 360°-Panorama-Multimedia-Tour zu einem besonderen Ort. Der Burg-Ruine Frauenburg bei Unzmarkt in der Steiermark. Eine virtuelle Tour für Auge und Ohren. Viele Informationen zum Bau und Geschichte werden in der Tour an der richtigen Stelle mitgeliefert. Und das eine oder andere kleine digitale Überraschungsei ist auch versteckt – einfach etwas aufmerksam sein!

Die virtuelle Tour

Start der Tour Burgruine Frauenburg

VR-Brillen-fähig (z.B. Quest 3): URL dieser Seite im Browser der VR-Brille eingeben und das Symbol mit der Brille aktivieren.

Die Tour ist vollumfänglich und deckt nahezu alle Bereiche der Burgenanlage ab. Vor allem der sehenwerten romanischen Außenfassade und generell dem großen Wohnturm ist viel Aufmerksamkeit gewidmet. Kopfhörer oder Lautsprecher und großer Bildschirm sind sehr empfohlen.
Zur Orientierung achte man ein wenig auf den zusätzlichen Kompass, der ab und an an manchen Plätzen zu finden ist.

Die Vermessungskarte in der Tour wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen:
Murgg, Werner: Burgruinen der Steiermark. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Bodendenkmale, in Zusammenarbeit mit dem Verlag Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Wien/Horn, 2021

Icon Castle

Kurzbeschreibung der Burg-Ruine Frauenburg

Minnesänger Ulrich von Liechtenstein

Die Frauenburg gilt als die Stammburg von Ulrich von Liechtenstein. Stammburg seines Vaters ware die Burg Liechtenstein bei Judenburg. Ulrich erbte die Vorgängerburg hier bei Unzmarkt, ließ sie vor 1250 noch ausbauen und galt dann als sein Lieblingsort des Weitgereisten. Ulrich war nicht nur Minnesänger und Dichter im Mittelalter der es in den Codex Manesse geschafft hat sondern auch einflußreicher Politiker in der Steiermark und sehr aktiver Turnierkämpfer.

Falls jemand Freude an etwas älterer Lyrik hat – die Texte Ulrichs sind bis heute überliefert – kann man sie gerne selbst lesen. Zum Beispiel auf https://ldm-digital.de/autoren.php?au=Liecht.

Die Burg

Vom wahrscheinlich hölzernen Vorgängerbau den Ulrich erbte ist nichts mehr gefunden worden und zu sehen. Er ließ um 1230 den großen romanischen zentralen Wohnturm erbauen der in seinen Ausmaßen in Österreich seinesgleichen sucht. Das Besondere heute ist, dass ein Gutteil der romanischen Bauelemente erhalten geblieben ist. Die Fenster sind durchwegs nicht vergrößert und deshalb ein architektonisches Kleinod. Die Zwischendecken wurden allesamt mit Holzbalken konstruiert.

Nach dem Tot Ulrichs wurde die Anlage weiter ausgebaut. Der Wohnturm erhielt um 1300 einen Vorbau hinter dem sich teils die romanischen Elemente noch verstecken. Die Tour zeigt diese und weist darauf hin. In diesem wurde eine kleine Kapelle untergebracht.

Weiters kam ein gotischer Palas hinzu (teils erhalten) und eine recht große weitere Kapelle von der heute nichts mehr zu sehen ist. Von mehreren Toren sind heute zwei erhalten. Die Tour zeigt sie natürlich.

Die südwestliche Wand des Wohnturmes stürzte Anfang der 1960er-Jahre komplett ein und man ersetzte sie anschließend durch eine Betonmauer. In weiterer Folge renovierte man die Ruine.

Plan der Ruine Frauenburg um 1900
Plan der Frauenburg aus Piper 1902. Links der mächtige Wohnturm, rechts oben das erste erhaltene Tor und oben mitte das zweite der heute erhaltenen Burgtore. Die doppelt punktierte Linie skizziert die nicht mehr erkennbare große Burgkapelle.

Otto Piper

Otto Piper hat die Burgenruine im ersten Band seines Werkes “Österreichische Burgen” 1902 beschrieben.

Die Pfarrkirche

Die Kirche bei der Ruine Frauenburg ist dem Apostel Jakob dem Älteren geweiht. Sie wurde um 1250 auf den Resten einer älteren romanischen Kirche erbaut und wie meist üblich später barock überprägt. Sie gehört mehr oder weniger zur Burganlage der Frauenburg, da sie bereits sehr früh innerhalb der äußeren Wehranlagen zu liegen kam. Die Frauenburg hatte aber trotzdem noch eine größere eigene Burgkapelle östlich des Palas und sogar noch eine zweite sehr kleine, die in den Vorbau des Wohnturmes integriert wurde.

Bekannt ist die Jakobskirche wegen eines sehr alten Grabsteins – möglicherweise der älteste Grabstein mit deutscher Inschrift überhaupt!

“hie leit ulrich dises houses rehtter erbe”

Wem er gegolten hat ist ein wenig umstritten, aber ebenso interessant. Ursprünglich wurde er direkt dem Minnesänger Ulrich von Liechtenstein der die Frauenburg erbauen ließ zugeordnet. In weiterer Folge einem seiner Enkel und 2024 eher seinem Sohn der vor im gestorben ist.

Der Stein ist aber noch rund 1000 Jahre älter und aus der Römerzeit (100-200 nach Christus). Er wurde im Mittelalter einfach wiederverwendet und war der Grabstein eines Marcus Egronius Formianus.

Seine römische Inschrift:

M(arcus) E[g]ronius [— f(ilius)] / Formianus s[ibi et] / [R]estitutae ux[ori] / et Helv[iae P]riscina[e fil(iae) an(norum) —] // [et] Vindillae fil[i]ae ann(orum) XX

Icon Castle

Historische Abbildungen

Screenshot aus der virtuellen Tour
Bildschirmauszug der Tour. Er zeigt die Frauenburg in ihrem Aussehen um 1650 in annähernd korrekter Perspektive.
Burgruine Frauenburg auf einer colorierten Glasplattenfotographie um 1932
Colorierte Glasplattenfotographie um 1932. Es standen damals deutlich mehr Abschnitte als heute.
Aquarell der Frauenburg nach Wilhelm Leifer um 1850.
Aquarell der Ruine Frauenburg um 1850 nach Wilhelm Leifer. Wie auch heute so war die Burgenruine damals schon über einen Fußweg in Holzkonstruktion erreichbar. Das Gebäude links neben der Kirche steht heute noch unverändert. Das Gebäude links außen bei der Burg (romanischer Wohnturm) ist mit Aunahme der Westseite (Mauer ganz links außen im Bild) weitgehend erhalten und in der Tour außen und innen zu erkunden. Damals war bereits die Vordermauer des gotischen Palas zumindest teilweise weggebrochen. Heute ist nichts mehr von ihr zu sehen. Ebenso das im Bild intakte zweithöchste Gebäude – die große Burgkapelle. Davon zeugt heute nur noch ein Schutthaufen. Vom bereits beschädigten im Bild rechten Gebäude der Burg sind heute nur noch geringe Reste erkennbar.
Die Frauenburg bei Unzmarkt nach Georg Matthäus Vischer auf einem Kupferstich von 1680
Die Frauenburg bei Unzmarkt nach Georg Matthäus Vischer auf einem Kupferstich von 1680. Die Darstellung ist in diesem Fall recht stimmig. Beim höchstgelegenen spitzen Dach mit einer Art Fahne obenauf handelt es sich möglicherweise um das Dach der kleineren von den beiden Burgkapellen. Der Abtritt nach vorne gehört zum gotischen Palas, rechts daneben mit der Schmalseite auf den Betrachter die viel größere Andreaskapelle.
Die Frauenburg bei Unzmarkt nach Matthäus Merian auf einem Kupferstich um 1650
Die Frauenburg bei Unzmarkt nach Matthäus Merian dem Älteren auf einem Kupferstich um 1650. Auch der südtiroler Kupferstecher hat die Frauenburg sehr gut skizziert – sogar etwas realistischer als ein paar Jahrzehnte später Vischer. Die beiden Ansichten lassen sich gut vergleichen. Ich persönlich würde Merian hier mehr Vertrauen schenken. Das dritte große Gebäude von links der Anlage ist die heute vollständig verschwundene Andreaskapelle. Links hinter der Kirche sehr wahrscheinlich das heutige Nordost-Tor der Burg. Es wurde bei einem Ausbau der Anlage hinzugefügt.
Skizze der Burg Frauenburg nach Johannes Clobucciarich 1601
Älteste bekannte Ansicht um 1601 nach Johannes Clobucciarich. Die Beschriftung “bamberg” (?) ist etwas verwirrend. Denn so wurde auch Burg Pfannberg früher genannt.
Icon Castle

Geografische Lage der Frauenburg

Die Ruine ist frei zugänglich und im Großen und Ganzen als sicher zu bezeichnen. Sie wurde in den 1960er-Jahren renoviert bzw. deren damaliger Zustand preserviert. Zwei Wege führen zur Anlage. Entweder über den Fußsteig und dessen langer hölzernen Brücke hinauf oder über die kleine asphaltierte Straße mit kleinem Parkplatz am Ende.

Josefinische Landesaufnahme 1785

Icon Castle

Weiterführende Links

Virtuelle 360°-Panorama-Tour durch die Burg-Ruine Liechtenstein bei Judenburg in der Steiermark.

Die virtuelle Tour

Start der VR-Tour Burgruine Liechtenstein

VR-Brillen-fähig (z.B. Quest 3)
Die Tour ist als “Work in Progress” zu betrachten. Erste Aufnahmen vom Sommer 2024, es folgten weitere im März 2025, weitere sind für die Zukunft geplant.

Die Vermessungskarte in der Tour wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen:
Murgg, Werner: Burgruinen der Steiermark. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Bodendenkmale, in Zusammenarbeit mit dem Verlag Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Wien/Horn, 2021

Icon Castle

Kurzbeschreibung der Anlage

Von der Burg-Ruine Liechtenstein bei Judenburg in der Steiermark ist nicht mehr allzuviel erhalten – verfällt sie ja schon seit ca. 1500. Auffällig wenig ist im Netz über sie zu finden – nicht einmal einen Eintrag auf Wikipedia scheint sie wert.

Der erste nachgewiesene Besitzer (1140) war Dietmar von Liechtenstein. Allerdings dürfte ein Vorgängerbau aus Holz bereits im 11ten Jahrhundert (zwischen 1000 und 1100) vorhanden gewesen sein.
Prominentester Vertreter der Familie der Liechtensteiner (nicht verwandt mit der heutigen Adelsfamilie Liechtenstein) war der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein der seine eigene Burg – Frauenburg bei Unzmarkt – erbauen ließ. Und eben diese Familie nannte sich nach deren Stammsitz der heutigen Ruine Liechtenstein bei Judenburg.

Der am besten erhaltene Teil ist ein Teil der Ringmauer unterhalb des nicht mehr erhaltenen Bergfrieds. Sie ist auch von großer Entfernung von Westen aus sichtbar.
Erkennbar und gesichert ist noch in Ansätzen die Kapelle mit halbrunder Apsis und Grundrisse weiterer nicht näher zuordenbarer Gebäudeteile. Ebenfalls drei Burgtore: eines im Süden durch die äußere Ringmauer und der heutige Zugang (inklusive Verbotsschild), eines im Osten und letzte Reste des Haupttores im Westen unerhalb des gut sichtbaren Mauerstücks der Ringmauer unter dem Bergfried.

Sichtverbindung besteht zur Ruine Offenburg bei Pöls und den Ruinen der Burgen Rattenberg und Fohnsdorf.

Otto Piper 1902

Piper hat die Burgenruine im ersten Band seines Werkes “Österreichische Burgen” 1902 beschrieben:

Icon Castle

Historische Ansichten

Bergfried Ruine Liechtenstein bei Judenburg. Luftbild.
Die Ruine Lichtenstein im Jahre 2024. Hier zu sehen der am besten erhaltene und älteste Teil – ein Abschnitt der alten Ringmauer. Von hier hat die Burg wohl ihren Ausgang genommen, anzunehmen ist rund um 1200. Vom zentralen Turm (Bergfried) ist heute so gut wie nichts mehr erkennbar. Er befand sich von hier aus betrachtet rechts etwas über dem Ringmauerteil.

Ruine Liechtenstein um 1900
Die Ruine um 1900 auf einer colorierten Postkarte.
Ruine Liechtentein um 1680
Ruine Liechtenstein nach Georg Matthäus Vischer um 1680. Schon damals nur noch eine Ruine. Sie wurde bereits um 1500 verlassen und dem Verfall preisgegeben.
Kupferstich: Judenburg nach Georg Mettäus Vischer um 1680. Links im Hintergrund die Ruine Liechtenstein.
Judenburg um 1680 nach Georg Matthäus Vischer. Links die Ruine Liechtenstein. Obwohl ja Vischer immer übertreibt in seinen Darstellungen kann man mit beiden Abbildungen einen guten Eindruck von der Burg Liechtenstein gewinnen. Vom hohen zentralen Turm (Bergfried) ist heute nichts mehr erhalten. Die Mauer an seinem Fuß rechts ist wohl diejenige, die auch heute noch prominent vom Tal aus sichtbar ist. Trotzdem kann nicht wirklich der Geländebefund und Vischers Darstellung einfach in Übereinstimmung gebracht werden. Was nur auf dieser Abbildung festgehalten wurde, ist der heute völlig verschwundene Torbau rechts unter der Ringmauer.
Interessant auch, dass Vischer den Turm im ersten Kupferstich ohne Dach und mit Bäumen darauf skizzierte, im Stich hier mit Dach. Obwohl Vischer zwar an die 20 Jahre an seiner Topographia arbeitete – so schnell geht das auch nicht.
Eventuell ist hier ein Auftraggeber mitverantwortlich dafür. Vischer verkaufte auch Einzelblätter. Und wenn jemand eine kleine “Optimierung” wollte – wird er sie auch bekommen haben. Judenburg war damals (im Gegensatz zu heute) nicht mittellos. Sucht man sich alle bekannten Kupferstiche zusammen, gibt es ein paar darunter, wo nach dem Geschmack der Zeit zum Beispiel Spitzdächer in barocke Zwiebeldächer durch Ausbesserung der Kupferplatten ausgestattet wurden.
Die Unzuverlässigkeit Vischers bei seinen Darstellungen ist auch Otto Piper aufgefallen, wie mir im Nachhinein klar wurde (sein Burgenwerk habe ich erst 2025 digital in die Hände bzw. auf den Bildschirm bekommen).

Geografische Lage & Zugänglichkeit

Vor einigen Jahren war die Burg noch ein beliebtes Ziel für Familienspaziergänge. Heute ziert wie so oft eine grelle Verbotstafel (eigentlich sind es zwei gleich am Eingang) das ehemalige Südtor. “Privatgrundstück. Betreten verboten”. Immerhin klar und eindeutig. Warum gibt es dann trotzdem eine Tour hier auf dieser Seite? Nun – ich bin das erste Mal tatsächlich wieder von dannen gezogen. Aber ich weiß bis heute nicht, an wen ich mich wenden könnte und um Erlaubnis fragen. Und so nehme ich das Risiko auf mich und ermögliche Anderen zumindest den virtuellen Besuch und den digitalen Erhalt in Form von Bildern.

Manchmal ist ein Aufkauf oder Pacht einer Burgruine auch gut. Wenn es wie in manchen Fällen bei steirischen Ruinen dazu führt, dass die Bausubstanz erhalten wird indem sich jemand seinen kleinen Traum verwirklicht und in einer echten Burg wohnen will oder ein Burgverein sich Erhalt und Renovierung freiwillig zur Aufgabe gemacht hat. Wie es sich hier verhält ist (mir) unklar, positiv ist die Wirkung auf mich jedenfalls nicht.

Vielleicht wird man einfach mit dem Älterwerden auf gut österreichisch gesprochen “grantig”. Aber die Verbotsschilderkultur ohne erkennbaren Sinn für die Alltemeinheit (einstürzen wird da in nächster Zeit wohl eher nichts – abstürzen könnte man, wenn man sich sehr bemüht) geht mir, gerade weil es zunehmend auffällt auch bei Burgruinen, etwas auf die Nerven. Und hätte ich “privat” eine Ruine die ich nicht erhalte, wäre ich darüber erfreut, dass sich für den Steinhaufen jemand interessiert. Und würde meine Telefonnummer und Emailadresse auf ein Schild schreiben und DAS dort hinhängen.

Früher habe ich ohne Verbotsschild die eine oder andere Stunde in der Burgruine Liechtenstein zugebracht. Es war nett, es war freundlich.

Josephinische Landesaufnahme 1785

Die Ruine ist namenlos in der Karte verzeichnet unter dem Schriftzug “Calvariberg” als “Rudera” = Ruine.

Icon Castle

Weblinks