Virtuelle 360°-Panorama-Tour durch die letzten Reste der kleinen Befestigungsanlage RuineTaborloch, oder auch Räuberhöhle oder Zigeunerloch genannt, bei Spital am Semmering. Eine von zwei Höhlenburgen in der Steiermark. Geeignet für PC, Smarthphone, Tablet und VR-Brille (z.B. Quest 3).
Die Aufnahme des Bildmaterials fand im September 2026 statt. Wer es etwas immersiver mag, Lautsprecher oder Kopfhörer verwenden – die Audiokulisse wurde direkt vor Ort aufgenommen.
Kurzbeschreibung der Ruine Taborloch
Ob es sich wirklich um eine Burg im engeren Sinn handelt ist nicht klar. Wenn ja – dann ist die aus dem Mittelalter stammende Befestigung die deutlich kleinere Höhlenburg. Die zweite ist das Puxerloch bei Teufenbach.
Als „Tabor“ wird im mitteleuropäischen Raum im Spätmittelalter und frühen Neuzeit ein befestigter Rückzugsort für die Bevölkerung in Kriegszeiten bezeichnet. Was unterscheidet einen Tabor von einer Burg?
Auf den Punkt gebracht: Burg: hier herrscht und wohnt jemand dauerhaft der sich zu verteidigen weiß. Tabor: bei Gefahr bringt sich die Bevölkerung dort in Sicherheit.
Ein Tabor war im Gegensatz zu einer Burg nicht für dauerhaftes Wohnen eingerichtet, war auch kein herrschaftlicher Sitz und bot im Anlassfall vorrübergehend Schutz für die Bevölkerung. Und genau diesen Schutz bot der Tabor bei Spital am Semmering wahrscheinlich zu Zeiten des Steirischen Adelsaufstandes gegen Kaiser Rudolf III um 1469.
Eine erste mögliche geschichtliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1220. Es wird eine „Räuberhöhle“ (spelunca laironum) in dieser Gegend erwähnt die es zu beseitigen gelte. Ob es sich hierbei um das Taborloch handelt ist ungesichert, aber möglich.
1529 und 1683 kam es zu Türkeneinfällen und der Rückzugsort bot damals ziemlich sicher nochmals Schutz für einige Leute der Region. Für das 17te und 18te Jahhundert ist noch gesichert, dass es sich in der kleinen Befestigung unliebsame Gestalten zeitweilig bequem gemacht haben.
Älteste Beschreibung 1837
Robert Baravalle erwähnt den Wehrbau in seinem Buch 1961 und schreibt dabei einfach großteils eine viel ältere Beschreibung aus dem Jahr 1837 ab:
Vor dem Felsen liegt ein Hof von einer 11 Klafter langen, 20 Zoll dicken Mauer eingeschlossen; in diesem Hof befindet sich der verschüttete Brunnen und an den Felsen lehnt sich ein festes, ganz eingewölbtes Gebäude von 9 Klafter, wie die Mauer des Vorhofes mit Schießscharten versehen. Durch dieses zweite Befestigungswerk kommt man erst zum Eingang der Höhle, welche, wie die beiden ersten Eingänge, mit eisernen Toren versehen waren. Der Eingang ist mit einer Mittelmauer abgeteilt, wovon ein Gang zu der ganz verschütteten Wohnung und der andere in die oberen Höhlen führt.
Ja, der Text liest sich exakt so. 11 Klafter als historisches Längenmaß entspricht knapp 21 Metern, 9 Klafter wären rund 17 Meter.
Heute sind die Reste der Hofmauern (so zumindest meine Interpretation) und geringe Reste des erwähnten „eingewölbten Gebäudes“ erhalten. Die beiden ersten kleinen Eingänge (mit eisernen Toren) sind verortbar, nicht aber das angedeutete dritte Tor, die Teilung innerhalb der Höhle und Wohnung. Sie sind vollständig verschwunden.
Geografische Lage
Die Ruine ist frei zugänglich, ein schmaler Fußpfad führt einige Höhenmeter bergan an die Basis des Felsens.
Virtueller Rundgang um und in den Ruinen im Puxerloch bei Teufenbach in der Steiermark. Eines der seltenen Beisipiele einer Höhlenburg. In diesem Fall sind sogar zwei Burgen in den Höhlungen der selben Felswand angelegt. Die größere der beiden (Burg Luegg) und eine kleinere weiter links im Westen hoch in der senkrechten Felswand (Burg Schallaun). VR-Brillen-fähig (z.B. Quest 3).
Virtuelle Tour durch die Höhlenburgen Luegg (Puxerloch) und Schallaun
Von beiden Burgen ist nur sehr wenig erhalten. Burg Luegg war im 19ten Jahrhundert zeitweise von „Räuberbanden“ bewohnt – ein Hinweis darauf ist in einer volkstümlichen Sage über Raubritter zu finden. Aus diesem Grund wurde die bis dahin noch einigermaßen erhaltene Ruine angeblich weitgehend zerstört. Sie wäre ansonsten durch die geschützte und trockene Lage viel besser erhalten als der klägliche heutige Rest.
Die Namensgebung der beiden Anlagen ist, je mehr man über sie liest, umso verwirrender. Aber man kann sich darauf einigen, dass die rechte größere Luegg bzw. Lueg zu nennen ist und die kleinere linke und ein wenig ältere Schallaun. Luegg leitet sich sehr wahrscheinlich nicht von „lugen“ = „schauen“ ab (was gut passen würde denn die Aussicht von dort ist überaus gut) sondern bedeutet im Mittelhochdeutschen einfach „Höhle“ oder „Loch“. Was noch besser passt. Beide Namen werden immer wieder in der Literatur vertauscht. Sogar Georg Josef Freiherr von Prankh schrieb 1769, dass er auch „den Schallaun insgemein der Lueg genannt“ besitzt.
Von beiden Ruinen aus hat man hervorragende Sicht über das Murtal und auch direkte Sichtverbindung zur Ruine Steinschloss, der höchstgelegenen Burg(Ruine) der Steiermark. Knapp keine Sichtverbindung gibt es zur Schlossruine Schrattenberg.
Beschreibung von Otto Piper 1902
Otto Piper hat im ersten Standardwerk zur Burgenkunde 1902 die größere der Beiden – Luegg – beschrieben in Band 1. Offensichtlich geht es nicht nur mir so: Piper nennt die Ruine Luegg fälschlich „Schallaun“, die zweite kleinere Burg beschreibt er nicht.
Die rechte Ruine (Luegg) ist heute nicht mehr wirklich zugänglich, die vor ein paar Jahren noch vorhandene Holzstufenleiter wurde bewusst abgebaut.
Erstmalige Nennung der Burg im Jahr 1181 und bewohnt bis 1800-und-irgendwas. Was sehr erstaunlich erscheint, wenn man den heutigen Zustand der Ruine und die geschützte Lage in Betracht zieht. Interessant die Wasserversorgung: im hinteren Teil der Höhle befindet sich auch heute noch eine wenig aber doch wasserführende Quelle. In den Fels gehauene Stufen sind ein Hinweis auf deren ehemalige Nutzung.
Ein kleines Detail hat sich in der steilen Felswand außen erhalten: letzte Reste von farbigen Wandkritzeleien unbekannten Alters, aber sicher noch aus einer Zeit, in der die Anlage intakt war. Ohne genau zu wissen, wo diese sich befinden, sind sie schwer ausmachbar. Die Tour zeigt sie sehr gut.
Rechts oberhalb des Höhlenportals erkennt man eine sehr niedrige Höhle in der senkrechten Wand. Sie führt in das Innere des Höhlenportals und endet dort in großer Höhe an der Decke. Ein eiserner Ring ist dort angebracht – sehr sicher ein Rest von Kletterern von vor vielen Jahren, wahrscheinlich von Vermessungen Anfang der 1970er-Jahre.
Alte Wandkritzeleien in der steilen Puxer Wand über der Ruine Luegg. Alter Plan der Burgruine Luegg von Otto Piper. Die Höhlung rechts oben in der Ecke hat am Ende eine kleine Quelle die schon zu Burgenzeiten der Wasserversorgung diente.
Ruine Schallaun
Ruine Schallaun (im kleineren der beiden Höhlenportale und weiter links gelegen) war in neuerer Zeit nie wirklich zugänglich ohne Seilsicherung. Ursprünglich führte eine heute noch teils vorhandene sehr steile im Zickzack angelegte gemauerte Stiege zu ihr die direkt an den senkrechten Felsen gebaut ist. Ein alt wirkendes Seil aus Fasern hängt heute (2024) dort die Wand hinab. Auf das ich mich niemals verlassen würde und es ist dringlich davon abzuraten es in irgendeiner Form zu benutzen (vom Vertretungsverbot mal abgesehen). Gerade im wetterausgesetzten oberen Teil besteht es aus verblichenem Gewebeband das in der Regel durch UV-Licht der Sonne mit den Jahren jegliche Haltbarkeit verliert.
Von der Burg selbst ist noch weniger erhalten als von Luegg. Eine kleine Wand mit rechteckigen Löchern für Holzbohlen, ein paar Steinmauerreste des kleinen Plateaus und die steilen Stufen die Wand hoch.
Sagenhaftes und Wirklichkeit
Die Sage will es, dass beide Burgen – Schallaun und Luegg – über eine die Felswand entlangführende „Lederne Hängebrücke“ verbunden waren. Das ist jedoch mehr als unwahrscheinlich. Denn dafür müssten heute noch Löcher von Stützbalken vorhanden sein die es nicht gibt. Aufnahmen mit Drohne zeigen aber, dass die beiden Burgen über einen schmalen Felsgang miteinander verbunden gewesen sein müssen. Abschnittsweise ist ein offenbar geschaffener schmaler Grat in der Felswand erkennbar und ein paar wenige mit Stein gemauerte Reste.
Verbindung der beiden Burgen Luegg und Schallaun. Die genaue Wegführung über rund 80 Meter ist (mir) nicht vollständig klar. Gesichert scheint mir aber die Existenz. Die Tour lädt zum Entdecken ein.
Historische Ansichten
Die großere der beiden Höhlenburgen im Puxerloch: Ruine Luegg um 1870. Wenige Jahrzehnte später ist von einem Großteil der Mauern nichts mehr erkennbar.
Ruine Luegg aus dem Inneren des Puxerloches fotografiert. Postkarte unbekannten Alters. Was jedoch deutlich hervorgeht: bereits vor wahrscheinlich 100 Jahren war der Erhaltungszustand ähnlich wie der heutige.
Geografische Lage und Zugänglichkeit
Es besteht Betretungsverbot, die ehemals vorhandene Holzleiter die die letzten paar Meter zu Luegg überwindet wurde abgbebaut. Durch unzählige Besuche aus Kindheitstagen ist mir die Anlage aber sehr vertraut und die heutige Technik machte Aufnahmen trotzdem möglich. Unabhängig vom Betretungsverbot könnte für Normalsterbliche Ruine Schallaun gar nicht besucht werden. Dafür wäre Seil und Haken zur Sicherung notwendig.